2. Satz: Et exsultavit spiritus meus 

Und mein Geist freuet sich Gottes, meines Heilands. 

Dieser zweite Satz funktioniert wie ein barockes Concerto. Einem lebhaft instrumentalen Streicher-Ritornell folgen drei solistische Gesangsabschnitte (Aria a tre), die durch den Chor unterbrochen bzw. ergänzt werden. Vivaldi wechselt hier von der gewichtigen Tonart g-Moll des ersten Satzes in die parallele helle Tonart B-Dur. Zunächst folgen die Vokalsolisten (Sopran und Altus) nacheinander dem Ritornell des Streicherensembles mit seinen aufwärts-springenden Quarten der Violinen mit ihrem individuellen und freudig jubelndem Gesang. Der vorherrschende Affekt ist pure, überschwängliche Freude. Um das Wort „exsultavit“ musikalisch zu übersetzen, nutzt Vivaldi die Figur der Circulatio (eine kreisende, wellenförmige Melodiebewegung in raschen Notenwerten) im Sopran-Solo. Diese Figur bringt die pure Freude Marias über ihren Retter zum Ausdruck und unterstreicht das Ekstatische und Erleichterte des Bibeltextes mit der Exclamatio (ein fast plastischer Ausruf).  

Das Orchester agiert hier als dynamischer Partner der Gesangssolisten, greift die freudig kreisenden und hüpfenden Spielfiguren auf und spinnt sie instrumental fort. Unerwartet – noch vor dem Ende der Solopartie des Altus – setzt der Chor in homophon starker Deklamation mit den Worten „Omnes generationes“ ein. Vivaldi überführt hier das individuelle Lob Marias in einen kollektiven Lobpreis zur Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes, bevor der Solo-Tenor mit den schon vorgekommenen Affekten in den Solopartien von Sopran und Altus die großen Taten Gottes verkündet und seinen Heiligen Namen ehrerbietig ausruft. So führt diese Musik im Verbund mit den Gesangssolisten, dem Chor und mit dem Orchester zur tröstlichen Zuversicht, dass die Menschheit von Augenblick zu Augenblick im „Augen-Blick“ Ihres Schöpfers geborgen ist und so auch für die Wiederherstellung des Friedens immer wieder bitten darf. Hierfür steht dann auch der sich hier anschließende dritte Satz.