Begegnungen mit europäischen Meisterwerken aus Venedig, Salzburg, Mailand und London im St. Viktor-Dom Xanten am Silvesterabend 2026
Willem Winschuh (künstlerischer Leiter des Kammerchores Rheinland Cantare et Sonare) schreibt zum
diesjährigen festlichen Chor- und Orchesterkonzert im St. Viktor Dom:
Das diesjährige Silvesterkonzert führt uns auf den Spuren der Barockzeit und der Klassik quer durch das musikalische Herz Europas. Diese musikaische Reise im Verlauf des Konzertes im kunstvoll- architektonschen Dom von der glanzvollen Lagunenstadt Venedig (Magnificat in g von Antonio Vivaldi) über das erzbischöfliche Salzburg (Krönungsmesse von Wolfgang Amadeus Mozart) und das opernbegeisterte lombardische Mailand ( Solomotette Exsultate, jubilate ebenfalls von Mozart) bis hin zur pulsierenden Weltstadt London (Te Deum or the Victory at Battle of Dettingen von Georg Friedrich Händel) ist weit mehr als eine Aneinanderreihung historischer Stationen mit entfachenden imoposanten musikalischen Feuerwerken. Sie ist das klingende Zeugnis von Zeitabschnitten der Epochen Barock und Klassik, in denen die Musik über alle Grenzen hinweg die Sprache der menschlichen Seele spricht.
Jedes der zu hörenden Meisterwerke spieget auf seine ganz eigene künstlerische Weise unseren tragenden Leitgedanken zur Programmkonzeption des Silvesterkonzertes 2026 wider: Die Werke begegnen uns allesamt als klanggewordene Dialoge zwischen Erde und Himmel, zwischen Himmel und Erde.
Der jüdische Religionsphilosoph Martin Buber prägte einst in seinem Werk Ich und Du (1923) den markanten, aussagekräftigen Satz Alles wirkliche Leben ist Begegnung. Wenn Menschen zusammenkommen, um Musik zu hören, auszuführen oder zu erschaffen, geschieht genau das: Es entsteht eine Brücke – eine Kraft der Begegnung, die uns im Innern miteinander verbindet. Eine echte Begegnung des Menschen mit der Kunst wird in den Momenten der betrachtenden oder hörenden Erlebnisse zu einem gemeinsamen Raum des Innehaltens.
Wenn in den Meisterwerken von Antonio Vivaldi, Wolfgang Amadeus Mozart und Georg Friedrich Händel in ihrer virtuosen und klanvoll-triumphierenden Wort-Ton-Sprache auch immer wieder das friedensstiftende Handeln Gottes in seiner Schöpfung aufleuchtet, formt diese prachtvoll-faszinierende – aber auch spirituelle – Musik eine universelle Sehnsucht eines wiederkehrenden Friedens. Wir spüren bei aller auslösenden Begeisterung und Freude durch diese über die Jahrhunderte hinaus geschätzte und beliebte Musik auch eine leise Wehmut darüber, dass wir Menschen allein – und selbst eine noch so wichtig gewordene Friedenspolitik – den Frieden auf dieser Welt niemals vollständig aus eigener Kraft herbeiführen oder dauerhaft erhalten zu können.
Die Musik blickt über das rein Irdische hinaus: Für den im christlichen Glaubenden verwurzelten Menschen gründet dieser Frieden endgültig in Gott – im österlichen Licht einer Ewigkeit, die in ein ewig währendes verwandeltes Leben führt. Doch vor allem auch für den an Gott glaubenden, suchenden oder säkularisierten Menschen öffnet diese Musik eine spürbare transzendente Dimension. Uns allen schenkt sie eine Ahnung von einer jenseitigen und unverletzten Welt und bringt zuversichtlich jene Hoffnung hervor, die Menschen aus der Kraft der Begegnung miteinander leben und teilen.
Das gesamtes Ensemble wünscht Ihnen zum Jahresausklang 2026 im Dom St. Viktor ein friedvolles neues Jahr. Mögen in den Monaten, Wochen und Tagen viele gute und schöne Begegnungen mit Menschen, Kunst und Dingen für Sie Wirklichkeit werden, die Ihnen Ruhe und Kraft für eine unbeschwerte Zeit schenken.
