{"id":696,"date":"2025-02-14T10:01:21","date_gmt":"2025-02-14T10:01:21","guid":{"rendered":"https:\/\/cantare-et-sonare.de\/?page_id=696"},"modified":"2025-08-08T22:25:47","modified_gmt":"2025-08-08T22:25:47","slug":"konzert-6-april-2025","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/cantare-et-sonare.de\/?page_id=696","title":{"rendered":"Konzert 12. Oktober 2025"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"632\" height=\"891\" src=\"https:\/\/cantare-et-sonare.de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/brahmsneu.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-805\" srcset=\"https:\/\/cantare-et-sonare.de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/brahmsneu.jpg 632w, https:\/\/cantare-et-sonare.de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/brahmsneu-213x300.jpg 213w\" sizes=\"auto, (max-width: 632px) 100vw, 632px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"445\" src=\"https:\/\/cantare-et-sonare.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/2024_07_05-Ehem.-Abteikirche-Kloster-Corvey-Hoexter-1024x445.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-697\" srcset=\"https:\/\/cantare-et-sonare.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/2024_07_05-Ehem.-Abteikirche-Kloster-Corvey-Hoexter-1024x445.jpg 1024w, https:\/\/cantare-et-sonare.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/2024_07_05-Ehem.-Abteikirche-Kloster-Corvey-Hoexter-300x130.jpg 300w, https:\/\/cantare-et-sonare.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/2024_07_05-Ehem.-Abteikirche-Kloster-Corvey-Hoexter-768x334.jpg 768w, https:\/\/cantare-et-sonare.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/2024_07_05-Ehem.-Abteikirche-Kloster-Corvey-Hoexter.jpg 1222w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Am Sonntag, 12. Oktober 2025 wird der Kammerchor Rheinland<em> &#8222;Cantare et Sonare&#8220; <\/em>(k\u00fcnstlerische Leitung: Willem Winschuh) in der Kirche St. Martinus Moers-Repelen <br>um 18 Uhr <strong>Ein deutsches Requiem&nbsp;<\/strong>(op. 45) von Johannes Brahms zur Auff\u00fchrung bringen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit dem chorsinfonischen Werk &#8222;<strong>Ein deutsches Requiem&#8220; <\/strong>erleben Sie eine der ganz gro\u00dfen Kompositionen der Chorliteratur, die Johannes Brahms als Komponisten international ber\u00fchmt gemacht hat.<br>Weltweit erfreut sich die hochemotionale und als Schl\u00fcsselwerk geltende Komposition &#8222;<strong>Ein<\/strong> <strong>Deutsches Requiem<\/strong>&#8220; von Johannes Brahms h\u00f6chster Beliebtheit.<br>Die in diesem Konzert zu h\u00f6rende&nbsp; sog. &#8222;Londoner Fassung&#8220; f\u00fcr Soli, Chor und Klavier basiert auf einer eigenh\u00e4ndigen Version zu vier H\u00e4nden von Brahms selbst.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Ausf\u00fchrenden sind:<\/strong><br>Mirjam Hardenberg (Sopran), Leo B\u00f6geholz-Gr\u00fcnder (Bariton)<br>Isabel von Jakubowski und Bruno Metzdorf, Klavier<br><strong>Kammerchor Rheinland \u201cCantare et Sonare\u201c<br>Willem Winschuh, k\u00fcnstlerische Leitung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Musik von Trost und Trauer<\/strong> (Zum &#8222;Deutschen Requiem&#8220; von Johannes Brahms)<br>von Meinrad Walter  <\/p>\n\n\n\n<p><strong> \u201e<em>Ich habe nun meine Trauer niedergelegt<\/em> <em>und sie ist mir genommen; ich habe meine Trauermusik vollendet als<\/em> S<em>eligpreisung der Leidtragenden. Ich habe nun Trost gefunden, wie ich ihn gesetzt habe als Zeichen an die Klagenden.\u201c<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Johannes Brahms (Briefentwurf aus dem Jahr 1867)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEin deutsches Requiem\u201c von Johannes Brahms (1833 \u2013 1897) ist ein ebenso erfolgreiches wie in vielen Aspekten r\u00e4tselhaftes Werk. Bereits der vom Komponisten stammende Titel wirft Fragen auf.<br>Ein \u201eRequiem\u201c als protestantischer Gegenentwurf zur katholischen Totenmesse? Wohl kaum, denn das \u201edeutsch\u201c verweist zun\u00e4chst nur auf den Wortlaut der vom Komponisten selbst ausgew\u00e4hlten Bibelverse nach Martin Luthers deutscher \u00dcbersetzung der Heiligen Schrift, die seit dem 16. Jahrhundert die protestantisch- b\u00fcrgerliche Kultur pr\u00e4gt. Brahms besa\u00df mehrere Luther- Bibeln und auch eine Konkordanz, mit der er intensiv gearbeitet hat. Also lie\u00dfe sich das Deutsche Requiem deuten als protestantische Spielart der katholischen Totenmesse, geschrieben von einem norddeutschen Lutheraner?<br>Doch so einfach ist es nicht. Die im Werk sich zeigende Fr\u00f6mmigkeit des Komponisten ist n\u00e4mlich kaum noch lutherisch zu nennen. Sie ist vielmehr gepr\u00e4gt von kritisch- s\u00e4kularisierter Religiosit\u00e4t: bibelfest zwar, doch nicht mehr kirchentreu. Mit dem Wort Requiem leiht Brahms sich gleichsam eine Gattungs- \u00dcberschrift aus der Liturgie. Das ist \u00fcbrigens kein einzelnes Ph\u00e4nomen. Auch zahlreiche Gedichte mit der \u00dcberschrift \u201eRequiem\u201c sind in jener Zeit zu verzeichnen, in der das Requiem \u00fcberdies, wie die Messe insgesamt, aus der Liturgie in den Konzertsaal wanderte, um dort gro\u00dfe Triumphe zu feiern. Denken wir nur an Giuseppe Verdis \u201eMessa da Requiem\u201c.<br>Brahms steuert zur Gattung des Requiems ein h\u00f6chst eigenst\u00e4ndiges Werk bei, das sich einer Fixierung im Sinne der Tradition letztlich entzieht: kein eigentliches Requiem, aber auch kein Oratorium; eher eine Art paraliturgische Chorsinfonie in sieben S\u00e4tzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Entstehungsgeschichte ist geradezu vertrackt mit etlichen Fassungen und Einrichtungen, Teilauff\u00fchrungen in Wien (1867) und Bremen (1868) und schlie\u00dflich der Erstauff\u00fchrung in endg\u00fcltiger Werkgestalt im Jahr 1869 in Leipzig. Im selben Jahr gab es zudem Auff\u00fchrungen in einem Dutzend weiterer deutscher St\u00e4dte sowie in Basel und Z\u00fcrich. Utrecht und St. Petersburg folgten 1872.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber wir sehen es positiv: All dies erm\u00f6glicht einen einzigartigen Einblick in die kompositorische Werkstatt von Johannes Brahms. Wie durch verschiedene Fenster l\u00e4sst sich beobachten, wie sich aus einem \u201ework in progress\u201c zum einen die \u201eFassung letzter Hand\u201c gleichsam herauskristallisiert und wie sich zum anderen eine Reihe von Auff\u00fchrungsm\u00f6glichkeiten ohne Orchester er\u00f6ffnen, die man weniger als Fassung, sondern wohl eher als Einrichtung oder Arrangement bezeichnen kann. Eines dieser Fenster zeigt uns, wenn wir es \u00f6ffnen, die hier aufgef\u00fchrte Londoner Version mit der von Brahms stammenden vierh\u00e4ndigen Klavierbegleitung.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass das Klavier bei der Einf\u00fchrung und Vermittlung sinfonischer und oratorischer Musik eine Hauptrolle spielt, war bis weit ins 20. Jahrhundert hinein ganz selbstverst\u00e4ndlich. Brahms hat das am Beispiel seines vierh\u00e4ndigen Klavierarrangements zum Deutschen Requiem in einem Brief an seinen Verleger Rieter- Biedermann mit k\u00f6stlichen Worten so kommentiert: \u201eIch habe mich der edlen Besch\u00e4ftigung hingegeben, mein unsterbliches Werk auch f\u00fcr die 4h\u00e4ndige Seele genie\u00dfbar zu machen.Jetzt kann\u00b4s nicht untergehen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Bereits im April 1865 schickt er Clara Schumann den Satz \u201eWie lieblich sind deine Wohnungen\u201c in einem \u201efl\u00fcchtigen Klavierauszug\u201c, damit sie sich ein Bild davon machen kann. Sie schrieb dazu in ihr Tagebuch: \u201eMich hat dieses Requiem ergriffen, wie noch nie eine Kirchenmusik.\u201c Sp\u00e4ter wird sie nach dem Erleben der Orchesterfassung notieren: \u201eIch musste immer wieder, wie ich Johannes da stehen sah mit dem Stab in der Hand, an meines teuren Robert Prophezeiung denken, \u00b4lass den mal den Zauberstab ergreifen und mit Chor und Orchester wirken\u00b4- welche sich heute erf\u00fcllte. Der Stab wurde wirklich zum Zauberstab und bezwang alle \u2013 selbst seine Feinde.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses \u201eRequiem\u201c ist ein \u00fcberaus pers\u00f6nliches Werk. Durchlebte Trauer steht im Hintergrund: nach dem Tod Robert Schumanns (1856) und der Mutter des Komponisten (1865) . Die bereits zitierte Clara Schumann trifft den Ton des Werkes genau, wenn sie es \u201eein wahrhaft menschliches Requiem\u201c nennt. War es doch das schonungslos Menschliche und eben nicht das Christliche, was Brahms an der Bibel so fasziniert hat. Dies verhindert nicht, dass traditionelle Momente christlich- liturgischer Trauermusik wie Zitate anklingen: die Posaune des j\u00fcngsten Gerichts etwa im sechsten Satz oder die &#8211; wenn auch gebrochenen -Traditionen von Totentanz und Trauermarsch im zweiten. Dass die Wirkung des zweiten Satzes bei der Urauff\u00fchrung durch die orchestralen \u201ePaukenw\u00fcterich\u201c geschm\u00e4lert wurde, \u00fcberliefert ein Kritiker. Das Requiem ist \u00fcberdies ein dramatisches Werk, weil es, ganz im Sinne einer musikalischen Trauerarbeit, den Weg von der Trauer zum Trost geht und somit den Prozess der Trauer quasi inszeniert. Das wiederum relativiert \u201edas Deutsche\u201c, wie Brahms selbst in einem Brief an den Bremer Domorganisten Karl Reinthaler bemerkt: \u201eWas den Text betrifft, will ich bekennen, dass ich recht gern auch das \u00b4Deutsch\u00b4 fortlie\u00dfe und einfach den \u00b4Menschen\u00b4 setzte.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Vorausgegangen war diesem Brief eine Kontroverse um die Rechtgl\u00e4ubigkeit von Werk und Komponist. Der bereits genannte Bremer Dirigent und Musikdirektor Karl Reinthaler (1822 \u2013 1896) \u2013 er leitete die dortige Urauff\u00fchrung 1868, noch ohne Satz V, aber mit G. F. H\u00e4ndels Arie \u201eIch wei\u00df, dass mein Erl\u00f6ser lebet\u201c aus dessen Messias \u2013 hatte das Fehlen des Erl\u00f6sertodes Christi im \u201eDeutschen Requiem\u201c moniert. Zugleich wollte er Brahms wohl eine goldene Br\u00fccke bauen, indem er ihm anhand des letzten Satzes eine verborgene Christlichkeit nahelegte. Das Bibelwort aus der Geheimen Offenbarung \u201eSelig sind die Toten von nun an\u201c k\u00f6nne doch nur hei\u00dfen \u201evon Christus an\u201c. Brahms jedoch entschuldigt sich keineswegs f\u00fcr das Fehlen des Erl\u00f6sers Jesus Christus, sondern bekennt, dass er \u201eauch mit allem Wissen und Willen Stellen wie z. B. Evang. Joh. Kap 3 Vers 16 [Also hat Gott die Welt geliebt,\u2026] entbehrte.\u201c Eine h\u00f6chst freiwillige, vielleicht aber dennoch mit einer gewissen Verlusterfahrung verbundene Entbehrung?<\/p>\n\n\n\n<p>Die Bibel ist f\u00fcr Brahms nicht g\u00f6ttliche Offenbarung, sondern ein Menschheitsdokument, verfasst von \u201eehrw\u00fcrdigen Dichtern\u201c, dessen Gestalt es aus k\u00fcnstlerischen, weniger aus religi\u00f6sen Gr\u00fcnden zu respektieren gilt. Und schlie\u00dflich kann er den biblischen Dichtern ja eine eine Formulierung wie \u201evon nun an\u201c nicht mehr \u201eabdisputieren\u201c. Im \u00dcbrigen, schreibt er, habe er aus dem Fundus der Bibel \u201emanches genommen, weil ich es als Musiker brauchte.\u201c Diese Bemerkung ist nichts Anderes als ein Bekenntnis zur Gattungstradition des Oratoriums, in dessen Textgestalt und -gehalt es darauf ankommt, dass die Worte zur einen biblisch inspiriert sind, zum anderen aber musikalisch inspirierend: in Bildern und Affekten, in der Balance von Dramatik und Kontemplation.<\/p>\n\n\n\n<p>An die Stelle normativer oder liturgisch vorgegebener Texte tritt also bei Brahms \u2013 und das ist ein neuer Akzent in der geistlichen Musik \u2013 die pers\u00f6nliche Auswahl. Bereits die Zusammenstellung des Textes in sieben S\u00e4tzen ist eine Art Komposition mit stringenter Architektur. Gerahmt wird sie von zwei Seligpreisungen: \u201eSelig sind, die da Leid tragen\u201c (I) und \u201eSelig sind die Toten\u201c (VII). Die Rahmens\u00e4tze sind zudem auch musikalisch- motivisch aufeinander bezogen. Einem symmetrischen Aufbau unterliegen aber auch die weiteren S\u00e4tze. So entspricht dem zweiten Satz \u201eDenn alles Fleisch, es ist wie Gras\u201c der vorletzte \u201eDenn wir haben hie keine bleibende Statt\u201c (VI): Beide Male ist die \u00dcberwindung des Todes das Thema, zun\u00e4chst im Modus der Verhei\u00dfung, dann gesteigert als Erf\u00fcllung. Im zweiten Satz klingen zudem zwei Lieder an, in denen die Ambivalenz des Menschen im Angesicht des Todes zum Ausdruck kommt: \u201eEs ist ein Schnitter, hei\u00dft der Tod\u201c und \u201eWer nur den lieben Gott l\u00e4sst walten\u201c. Der vorletzte Satz schlie\u00dft mit einer die Majest\u00e4t Gottes preisenden Fuge im alten Stil. Eine Analyse der Unterstreichungen in Brahms\u00b4 Bibel hat ergeben, dass die unermessliche Gr\u00f6\u00dfe Gottes ein Hauptmotiv seiner Gl\u00e4ubigkeit war. Ihr steht die Bed\u00fcrftigkeit des Menschen gegen\u00fcber, deren Ernstfall die Todesverfallenheit ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Der dritte Satz mit Bariton- Solo ist eine ergreifende Klage, deren Hoffnungsaspekt in eine Fuge \u201eDer Gerechten Seelen sind in Gottes Hand\u201c \u00fcber einem unersch\u00fctterlichen Orgelpunkt m\u00fcndet. Den vom Solo des Soprans gepr\u00e4gten f\u00fcnften Satz \u201eIhr habt nun Traurigkeit\u201c hat Brahms erst nach der Bremer Urauff\u00fchrung komponiert, und zwar in Hamburg im Fr\u00fchjahr 1868. So f\u00fchrt er die Traurigkeit in tr\u00f6stlicher Zwiesprache zwischen Sopran- Solo und Chor zur Freude, ausgehend vom vertraut- intimen Bild \u201ewie einen seine Mutter tr\u00f6stet\u201c. Trost wird somit nicht \u201eabstrakt\u201c komponiert, in Musik gesetzt wird vielmehr der Vorgang des Tr\u00f6stens, so dass das Solo zum Zuspruch wird. H\u00f6hepunkt dieses Satzes ist die in dialogische Gesten zwischen Solo und Chor \u201e\u00fcbersetzte\u201c Hoffnung auf ein \u201eWiedersehen\u201c. Dieses Wiedersehens- Motiv findet sich auch auf vielen Grabsteinen, denn es wurde \u2013 unter Ausblendung anderer Aspekte wie des J\u00fcngsten Gerichts \u2013 ein Hauptthema der Sterbekunst im 19. Jahrhundert.<\/p>\n\n\n\n<p>Durch die nachtr\u00e4gliche Einf\u00fcgung des f\u00fcnften Satzes steht nun ein Klangbild der ewigen Freude als vierter Satz im Zentrum des gesamten Werkes. Die Worte \u201eWie lieblich sind deine Wohnungen\u201c stammen aus Psalm 84. Eine vom Gestus der Pastorale inspirierte und fast zeitlos sich ausschwingende Musik wird zum Sinnbild der Hoffnung auf ewig- himmlische Freude. Deren endg\u00fcltige Gegenwart \u2013 \u201edie loben dich immerdar\u201c \u2013 klingt in der Musik bereits g\u00fcltig an, was den traditionellen Gedanken der Musik als \u201epraeludium vitae aeternae\u201c ins Spiel bringt. Zudem verbirgt sich hier eine dritte Seligpreisung in den Worten \u201eWohl denen, die in deinem Hause wohnen\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Brahms- Requiem ist ein an Facetten reiches Werk, angesiedelt zwischen Gl\u00e4ubigkeit und Skepsis. Die S\u00e4kularisierung der Religion spiegelt sich in ihm ebenso wie die Sakralisierung der Musik. Die orchestrale Farbigkeit geh\u00f6rt ebenso dazu wie die in dieser Auff\u00fchrung realisierte M\u00f6glichkeit einer durch die Klavierbegleitung besonders durchh\u00f6rbaren Version. Im spirituellen Zentrum steht der trauernde und Trost suchende Mensch, wie er erkennbar wird in Worten und Gesten der Bibel. Wie alle gro\u00dfen Werke der musikalischen Weltliteratur jedoch legt auch diese Komposition die Interpreten und H\u00f6rer nicht auf eine einzige Deutung fest. Vielmehr \u00f6ffnet sich ein spannungsvoller Raum des Assoziierens und pers\u00f6nlichen Sich- Einfindens im Werk. Seine Pole hei\u00dfen etwa: biblische Botschaft und b\u00fcrgerliche Totenfeier; Musik als autonome Kunst und als Textdeutung; schlie\u00dflich das Ernstnehmen des Irdischen und die unstillbare Sehnsucht nach Transzendenz. Letztlich ist das um Trauer und Tod kreisende Werk gro\u00dfe Musik und klingende Theologie zugleich, wie auch der Komponist in einem Brief an Elisabeth von Herzogenberg vom 8. August 1882 bemerkt: \u201eDen Theologen kann ich nicht los werden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><em>Meinrad Walter, Dr. theol.<\/em><br><em>Studium der Theologie und Musikwissenschaft in Freiburg i. Br. und M\u00fcnchen<\/em><br><em>T\u00e4tigkeiten im universit\u00e4ren Bereich sowie in Journalismus und Verlagswesen<\/em><br><em>Referent f\u00fcr Kirchenmusik der Erzdi\u00f6zese Freiburgseit 2012 <\/em><br>a<em>u\u00dferdem Professor f\u00fcr Theologie und Liturgik an der Musikhochschule Freiburg<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die theologische Eigenart des Deutschen Requiems von Johannes Brahms, op 45<br>von Reinald R\u00fcsing<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Werk zielt nicht ab auf eine Zerknirschung des Herzens, wie man es von einer Totenmesse erwarten k\u00f6nnte. Vielmehr kann und will das Werk tr\u00f6sten.<br>Der erste Chor beginnt mit einer Seligpreisung Jesu aus der Bergpredigt, und der letzte Chor nimmt die Seligpreisung auf, diesmal aus der Offenbarung des Johannes.<br>In der Mitte des Werks im vierten Chor d\u00fcrfen sich Leib und Seele freuen, da sie sich sehnen nach einem ewigen Leben in der Gegenwart Gottes. Ein besonderer Akzent liegt auf der Rede von \u201eden Vorh\u00f6fen des Herrn\u201c. Der Vorhof des Tempels war der am leichtesten zug\u00e4ngliche Teil des Tempels und deutet im Werk Brahms auf den leichten Zugang zur Gegenwart des ewigen Gottes.<br>So darf sich das unter seiner Sterblichkeit seufzende Gem\u00fct des Menschen durch das gewaltige Opus Brahms mit tiefem Trost erf\u00fcllen lassen.<br><strong>Zur Exegese:<\/strong><br><strong>Mt 5,4<\/strong> Selig sind, die da Leid tragen, denn sie sollen getr\u00f6stet werden. <br>Jesus Zitat aus der Bergpredigt. Der Berg steht traditionell f\u00fcr N\u00e4he und Offenbarung Gottes. Das besagt, dass Jesus in g\u00f6ttlicher Vollmacht redet. Die Seligpreisungen sind Heilsworte, die den Adressaten die Teilhabe am Himmelreich zusagen, wozu auch die Tr\u00f6stung der Trauernden geh\u00f6rt.<br><strong>Psalm 126, 5. 6. <\/strong>Die mit Tr\u00e4nen s\u00e4en, werden mit Freuden ernten. Sie gehen hin und weinen und tragen edlen Samen und kommen mit Freuden und bringen ihre Garben.<br>Die Gegenwart (Tr\u00e4nen, weinen) wird mit der von Gott geschenkten neuen Wirklichkeit verbunden (ernten, Garben). Hier ergeht keine Aufforderung. Vielmehr wird der rechte Weg geschildert. S\u00e4en, wenn auch unter Tr\u00e4nen, den guten Saatbeutel tragen. Die Saat wird aufgehen und Freude bescheren.<br><strong>Psalm 39,5-8<\/strong> Herr, lehre mich doch, dass es ein Ende mit mir haben muss, und mein Leben ein Ziel hat, und ich davon muss. Siehe, meine Tage sind eine Hand breit vor dir, und mein Leben ist wie nichts vor dir. Ach, wie gar nichts sind alle Menschen, die doch so sicher leben. Sie gehen dahin wie ein Schatten und machen sich viel vergebliche Unruhe. Sie sammeln und wissen nicht, wer es einbringen wird. Nun, Herr, wessen soll ich mich tr\u00f6sten? Ich hoffe auf dich.<br>Mit seiner Bitte von V 5 sucht der Beter Best\u00e4tigung f\u00fcr das, was er eigentlich wei\u00df, dass seinen Lebenszeit begrenzt ist. Trost findet er darin, dass er auf seinen Gott hofft.<br><strong>Psalm 84, 2.3.5<\/strong> Wie lieblich sind deine Wohnungen, Herr Zebaoth! Meine Seele verlangt und sehnt sich nach den Vorh\u00f6fen des Herrn; mein Leib und Seele freuen sich in dem lebendigen Gott. Wohl denen, die in deinem Hause wohnen, die loben dich immerdar.<br>Es handelt sich hier um einen Wallfahrts- und Pilgerpsalm, ein Sehnsuchtsgedicht und -gebet, das seinen Ausgangspunkt fernab vom Jerusalemer Tempel hat und den Weg dorthin innerlich und wohl auch \u00e4u\u00dferlich abschreitet. Der Abschnitt schlie\u00dft mit einer Seligpreisung an diejenigen, denen die Gunst der N\u00e4he zum Gotteshaus gew\u00e4hrt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Reinald R\u00fcsing<br>Ev. Pfarrer in Ruhe, Bassist im Kammerchor &#8222;Cantare et Sonare&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Sonntag, 12. Oktober 2025 wird der Kammerchor Rheinland &#8222;Cantare et Sonare&#8220; (k\u00fcnstlerische Leitung: Willem Winschuh) in der Kirche St. Martinus Moers-Repelen um 18 Uhr Ein deutsches Requiem&nbsp;(op. 45) von Johannes Brahms zur Auff\u00fchrung bringen. Mit dem chorsinfonischen Werk &#8222;Ein deutsches Requiem&#8220; erleben Sie eine der ganz gro\u00dfen Kompositionen der Chorliteratur, die Johannes Brahms als &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/cantare-et-sonare.de\/?page_id=696\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eKonzert 12. 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